MINUS YOU TOO


Im Moment des Auseinandergehens spielen sich die Erinnerungen wie im Zeitraffer sekundenschnell ab.
Ein letztes Mal sieht man sich in die Augen, wenn überhaupt.

Ob das Auseinandergehen bewusst oder unbewusst erlebt wird, spielt eine bedeutende Rolle. Die Trennung von einem geliebten Menschen prägt oft jedes weitere Geschehen in unserem Leben. Verlustgefühle häufen sich.

Was passiert in uns, wenn ein Abschied abrupt eintritt? Wie gehen wir mit unserem neuen Alltag und den Erinnerungen um, wenn das Vergangene wie eine Uhr in unseren Kopf weiter tickt?

In „minus you too“ bewegen sich die Protagonisten mit Ironie zwischen Sein und Nichtmehrsein, zwischen Kontrolle und Kontrollverlust.

LEITUNG, REGIE Violetta Spataro
CHOREOGRAFIE Violetta Spataro in Zusammenarbeit mit den TänzerInnen
DRAMATURGIE Simon Selbherr
REGIEASSISTENZ Martin Schweiwiller
CHOREOGRAFIEASSISTENZ Mercé de Rande
MUSIKALISCHE LEITUNG Marcel Gschwend
MUSIK bit-tuner und 4tzn
SCHAUSPIEL/TANZ Manfredi Perego (Tanz), Marco Maria Ghio(Schauspiel)
Agnieszka Obuchowicz (Tanz), Ezequiel Matìas Sanucci (Tanz),
Violetta SpataroTanz
BÜHNENBILD UND LICHTDESIGN Pipo Schreiber
BÜHNENBILDASSISTENZ Andrin Coaz + Sarah Jäger
GRAFIK Lionel Büttner
KOSTÜM Zemira Spataro
FOTO Nico Wick
KONZEPTIONELLE MITARBEIT Van-Hung Au
SUPERVISION Anne Rosset
PRODUKTIONSLEITUNG Cristina Achermann

KRITIK:
März 2006, Neue Zürcher Zeitung

Sehnsucht im Stakkato

Neues Tanztheater der Cie. Sans Filtre im Fabriktheater
Fünf Gestrandete sehen wir, abgestiegen in irgendeiner Herberge. Die einen suchen noch Geborgenheit, die anderen haben diese Sehnsucht längst aufgegeben. Und doch ist der Nicht- Ort, an dem sich die fünf zwielichtigen Gestalten treffen, kein gänzlich düsterer. Zwischen den mobilen Stellwänden (Bühne: Pipo Schreiber) spukt vielmehr ein bunter Schalk, der die ganze Szenerie immer wieder mit (Galgen-)Humor würzt und in zynisches oder ironisches Licht rückt.

Mutige Ästhetik
Die Zürcher Cie. Sans Filtre unter der Leitung von Violetta Spataro stellt auch in ihrer neusten Tanztheaterproduktion Randfiguren ins Zentrum; das Stück «Minus you too» hatte am Samstag im Fabriktheater der Roten Fabrik Premiere. Es ist die bisher prägnanteste Arbeit von Spataro und ihrer Gruppe. Abgesehen von einigen Längen und wenigen Überdeutlichkeiten besticht die Choreographie mit einer mutigen Ästhetik von veräusserter Innerlichkeit und gegenläufigen Tempi.
In somnambuler Langsamkeit schleichen die Frauen (neben Spataro Agnieszka Obuchowicz) den Wänden entlang, während die Männer (Ezequiel Matìas Sanucci und Manfredi Perego) sich akrobatisch spektakulär vermöbeln, bis der Herbergsleiter (Marco Maria Ghìo) mit der Pistole eingreift. Alle tragen sie je ihre Bürde, die sie stetig zu Übersprungshandlungen verleitet. Der eine erschiesst den Hund, ein anderer will lauthals penetrant die Welt verbessern, und der Dritte lässt sich spastisch zum Narren halten; eine Weitere hat ihr Rückgrat eingebüsst, hält aber bei jeder Gelegenheit den Fuss in die Tür, und der Fünften im Bunde hat schliesslich ein schwerer Verlust förmlich den Halt entzogen. Mit Gummibeinen und schlotternden Gliedern schwankt oder zuckelt sie wie eine ausgeleierte Aufziehpuppe durch den Raum. Dies ist - in der ganzen Problematik der Figurenzeichnung - überzeugend dargeboten.

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Minus you too
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Opalallah et les autresOpalallah_et_les_autres.html
PassantenPassanten.html

Ein erschossener Hund,
eine verstörte Mutter, die keine mehr ist,
ein aus einem Kloster Entflohener,
ein Weltverbesserer, der nichts ausser predigen kann,
ein verbitterter Zyniker,
eine Figur zwischen Sein und Nichtsein
und die Geister, die sie riefen.
Alle finden sie zusammen im Motel la Paz.
Einige gehen wieder auseinander.
Ein letztes Mal sehen sie sich in die Augen, wenn überhaupt